This project is powered by the European Union



Essstörungen

Inhalt:
Ess-Brech-Sucht (Bulimie)
Esssucht (Adipositas)
Magersucht (Anorexia nervosa)
Hilfe und Selbsthilfe
Download english PPT

Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Das Wort Bulimie kommt aus dem Griechischem und heißt soviel wie Ochsenhunger ( bous - Ochse, limos - Hunger).

Die Bulimie ist eine psychische Störung, der fast immer seelische Nöte zugrunde liegen. Der Hunger nach Zuwendung und Lieber wird durch Essenmomentan gestillt. Häufig ist die Essstörung auch ein Indiz für Identitätsprobleme.

Vorher tritt häufig Magersucht auf, die sich dann zur Bulimie entwickelt.

Ursachen:

Eine der Hauptursache ist das gesellschaftliche Schlankheitsideal, was sich schon im Spielzeug und Puppen der Kleinkinder abzeichnet. Häufig herrscht in der Familie große Unsicherheit, eine unsichere Bindung zu einem Elternteil kommt in über 60% der Fälle vor. Ein weiterer Grund für die Krankheit ist, das Bulimikerinnen im früheren Alter kaum taugliche Strategien gelernt haben, um Konflikte zu lösen. Betroffene essen nicht bedürfnisorientiert, sondern sehen das essen als Mittel der Ablenkung, Belohnung oder Entspannung. Man gerät schnell in einen Teufelskreis: Diäten, Fasten, Erbrechen, exzessiver Sport und Verwendung von Abführmitteln führen zu einem körperlichen und psychischen Mangelzustand, worauf eine Heißhungerattacke folgt. Um die aufgenommenen Kalorien wieder abzuarbeiten wird wieder gefastet usw.

Aus Übergewicht im Kindesalter und damit verbundenen Hänseleien kann später ebenfalls eine Bulimie entstehen.

Typische Muster:

Bulimiker versuchen nicht nur im Hinblick auf die Figur, sondern auch auf andere Lebensbereiche, perfekt zu sein. Sie fühlen sich nicht schön genug, nicht gut genug und nicht genug überhaupt. Sie haben ein sehr schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl und ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper, fühlen sich immer zu dick.

Die Betroffenen unterdrücken ihre eigenen Bedürfnisse und entwickeln somit starke Abhängigkeitsgefühle und ständige Verlust- und Trennungsangst. Außerdem können sie ihre eigenen Gefühle nur noch gestört wahrnehmen.

Sie sind sich ihrer Krankheit nicht bewusst und verharmlichen ihre Gewichtsprobleme. Dazu gehören zum Beispiel heimliche Fressattacken, meist am Abend oder in der Nacht. Dabei verschlingen sie in kürzester Zeit riesige Mengen kalorienreicher Nahrung, wofür sie sich jedoch schämen (deswegen in der Nacht).

Folgen:

Körperliche Folgen sind zum Beispiel Kälteempfindlichkeit und Haarausfall. Betroffene ziehen sich häufig im Zwiebelprinzip an, um nicht zu frieren und um ihre zu dünne Figur zu verstecken. Sie leiden unter Depressionen und Schwächeanfällen, fühlen sich antriebslos. Kontrollverlust über sich selbst und Hormonstörungen (ausbleibende Periode, Unfruchtbarkeit und Schwinden der Brust) können ebenfalls auftreten. Entzündungen im gesamten Verdauungstrakt und Verätzungen der Speiseröhre sind Folgen, die durch das Erbrechen hervorgerufen werden.

Häufig ambivalentes Verhalten (manisch-depressive Neigung) und Aggressivität gegenüber anderen Menschen können sich negativ auf ihr soziales Umfeld auswirken. Bulimiker vermeiden jegliche Art sozialer Kontakte und vernachlässigen die Schulpflicht. In ihrem Leben herrscht Chaos, was sich zum Beispiel auch in ihren überfüllten Wohnstätten zeigt.

Da Betroffene einen enormen Bedarf an Lebensmitteln hegen, kann die Bulimie in manchen Fällen sogar zur Verschuldung bis zum Diebstahl führen.

Esssucht (Adipositas)

Bei einer Esssucht ohne Erbrechen, bei Adipositas, werden in kürzester Zeit kalorienreiche Nahrungsmittel in großen Mengen verschlungen. Da die Essüchtigen nicht erbrechen, leiden sie an starkem Übergewicht.

Mit dem Unterschied zu anderen Übergewichtigen, nimmt der Gedanke an Essen im Leben den größten Raum ein. Für andere Unternehmungen oder Kontakte bleibt nur wenig Platz.

Der wichtigste Unterschied ist, dass Esssüchtige auf die Nahrung fixiert sind. Sie haben dabei nur ein Ziel: Die Unterdrückung von Gefühlen (egal ob Angst, Schmerz, Zorn oder auch Glück). Sie "fressen die Gefühle in sich hinein".

Äußerungen:

- Essanfälle, bei denen sie hochkalorische Lebensmittel in kurzer Zeit essen
- essen den ganzen Tag durchweg
- oft auch unbewusstes Essen
- sind sich darüber nicht im Klaren, wie viel sie essen, denken aber an ihr Körpergewicht und schämen sich für ihr Äußeres
- Lebensmittel ' Seelentröster, die den Blutzuckerspiegel kurz in die Höhe treiben, jedoch nicht sättigen (Süßigkeiten, stärkehaltige Produkte wie Weißbrot)
- Heißhungerattacken lösen Schuld- und Schamgefühle aus, weil sich die Esssüchtigen nicht im Griff hatten ' das Gewicht wird zum mentalen Problem
- auf Umgebung meist kontaktscheu

Esssüchtige weichen gemeinsamen Mahlzeiten aus oder essen in Gegenwart anderer kaum. Sie geben für Nahrungsmittel ihr gesamtes Geld aus, verschulden sich bis hin zum Diebstahl.

Die Betroffenen leiden an Stimmungsschwankungen, sie reagieren extrem aggressiv und abweisend auf jeden, der sie nur ansatzweise stört. Deshalb ziehen sie sich von Unternehmungen zurück und versuchen, ihr Essverhalten so zu verheimlichen.

Folgen:

- Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Arterienverkalkung, Herz-, Kreislaufstörungen, Diabetes, Bluthochdruck)
- hohes Übergewicht, was die Lebenserwartung verkürzt

Esssüchtige versuchen, so gut es geht, ihre Freundschaften zu pflegen, um nicht zu vereinsamen. Die meisten Esssüchtigen haben sogar einen Partner, aber durch die Launenhaftigkeit können sie den Partner und die Freunde verärgern und irritieren.

Für die Esssüchtigen hat das Essen Vorrang den Freunden.



Magersucht (Anorexia nervosa)

Magersüchtige hungern auch dann noch weiter, wenn ihr Untergewicht längst bedrohliche Ausmaße angenommen hat. Sie nehmen ihren Körper nicht mehr so wahr, wie er tatsächlich aussieht.

"Ich nahm ab, und die anderen sagten, ich sähe gut aus. Das machte mich stolz und spornte mich an, noch dünner zu werden. Ich gefiel mir. Ich war stolz auf meine herausstehenden Knochen und vor allem darauf, dass die Waage immer weniger anzeigte. Ich kochte für meine Familie und freute mich, wenn es den anderen schmeckte, während ich mir jedes Gramm, das ich aß, genau überlegte. Ich konkurrierte mit meiner Schwester und wurde wahnsinnig bei der Vorstellung, auch sie könnte anfangen zu hungern. Über kurz oder lang kannte ich sämtliche Kalorientabellen auswendig. Ich war den ganzen Tag nur noch mit Gedanken an Essen und Nichtessen beschäftigt, sonst interessierte mich nichts mehr. Ich wollte immer noch dünner werden, das war mein Ziel. Ich wog mich mindestens fünfmal am Tag und war glücklich, wenn ich abgenommen hatte. Allmählich begannen meine Kräfte zu schwinden, aber das wollte ich nicht wahrhaben."

"Die Zeit, die ich nicht zum Joggen, Radfahren oder für Gymnastik benötigte, nutzte ich zum Lernen. Ich lernte weiter, auch wenn ich alles schon konnte und zum tausendstenmal in mich hineinpaukte. Manchmal schlief ich darüber ein, aber das war die totale Katastrophe. Dann musste ich noch mehr joggen und radfahren und Gymnastik machen, als auf meinem Plan stand. Wenn Besuch kam oder meine Eltern mich störten, dann flippte ich aus. Ich fing an zu heulen und flehte alle an, mich doch bloß in Ruhe zu lassen - meine kostbare Zeit raste mir davon, und weil ich keine freie Minute hatte, wusste ich nicht, wie ich sie wieder hereinholen sollte."
Zu Beginn einer Magersucht fühlen sich die Betroffenen stark und gut. Sie sind stolz auf ihre außergewöhnlichen Leistungen und meinen, ihr Leben so in den Griff zu bekommen.

Magersüchtige sind besessen vom Essthema und isolieren sich oder brechen in Panik aus, wenn jemand versucht, in "ihre Welt" einzudringen und sie davon abzuhalten, sich zu zerstören. Typisch für das Verhalten von Magersüchtigen ist, Familienmitglieder zum Essen anzuhalten, aber selbst weiterzuhungern. Magersucht kann man mit KZ-Wärtern vergleichen. Diese Wärter treiben die Häftlinge bis zur physischen und psychischen Erschöpfung. Es fällt auf, dass dieser "Wärter" bei Magersüchtigen häufig als "Es" ausgedrückt wird ("Es kommt einfach über mich"). Das deutet auf eine gespaltene Persönlichkeit. Wenn man die Forderungen nicht erfüllt, fühlt man sich schuldig und wird bestraft, zum Beispiel mit einer gezwungenen Zeit ohne Essen.

Zuerst gibt es eine Zeit von innerer Verunsicherung und Unzufriedenheit. Sie fühlen sich einsam. Die Magersucht wird als Lösung der Probleme gesehen, statt Unordnung und Kontrollverlust herrscht nun Ordnung und Disziplin.

Betroffene finden zahlreiche Ausreden, warum sie nicht essen können. Sie empfinden Ekel beim Essen und ziehen sich von gemeinschaftlichen Mahlzeiten zurück.

Manche Magersüchtigen hungern sich zu Tode. Die wenigsten wollen das (mit vielen Ausnahmen). Meistens folgen sie einer Illusion, dass sie einen Sieg erringen, in dessen Genuss sie gelangen könnten, wenn sie ihren Körper verhungern lassen.

"Wenn sich jemand umbringt, bekommt er Aufmerksamkeit, ich bringe mich um, also bekomme ich Aufmerksamkeit."

Jedoch vergessen sie dabei, dass sie wenn sie erst einmal in den Tod gehungert sind, das Gefühl der Aufmerksamkeit nicht mehr genießen können. Kurz vor dem Hungertod kommen die Menschen zu einem Punkt der Verzweiflung, bei dem sie erkennen, dass hungern nicht die Lösung ihrer Probleme ist. Nach dieser Erkenntnis schaffen nur wenige den Ausstieg aus der Sucht ohne Hilfe von außen.

"Als ich beteuerte, mich ändern zu wollen, konnte ich es bereits nicht mehr."

Die Illusion, dass man mit hungern das Leben in den Griff bekommt, wird zerstört, denn den Betroffenen wird klar, dass die Sucht selbst das Leben im Griff hat.

Körperliche Folgen:

- Alter unter 25 Jahre
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust von wenigstens 25% des urspr. Gewichtes
- Einstellung zum Essen durch Ermahnungen, Drohungen, Beruhigungen nicht beeinflussbar
- ungewöhnliches Horten und Behandeln von Nahrung
- mind. Zwei der Auswirkungen:
    - Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung)
    - Lanugo (flaumige Behaarung)
    - Bradykardie (langsame Herztätigkeit)
    - Perioden von Überaktivität
    - Episoden von Bulimie (Essattacken)
    - Erbrechen
- Blutarmut, Haut- und Haartrockenheit
- niedrige Körpertemperatur
- Verstärkung der Sinne
- Schlafstörungen, gestörtes Zeitempfinden
- zwanghafte Gedanken, die an psychotische Wahnvorstellungen erinnern
- Vergiftungsähnliche Zustände
- Überdosen an Abführmitteln ' Störung des Mineralhaushaltes
- Unfähigkeit, eigenen Körperumfang realistische einzuschätzen

Soziale Folgen:

- Unmittelbare Umgebung der Magersüchtigen mitbetroffen
- Wenn Eltern oder Geschwister mit ansehen müssen, wie man sich aushungert, löst es in ihnen starke Gefühlsreaktionen aus
- Magersüchtige fühlen sich missverstanden, wenn man versucht, ihnen den "Tick" auszureden
- Hartnäckigkeit, mit der Magersüchtige ihr Hungern fortsetzen, löst Bewunderung aus
- Familie lässt sich durch Ausreden sehr lange täuschen
- Vermeiden der Mahlzeiten verhindert die natürliche Gemeinschaft am Tisch

Hilfe und Selbsthilfe

therapeutische Hilfe:

- 1. Schritt ' Patient muss sich seiner Krankheit bewusst sein
- Gespräche mit dem Patienten, Ziele setzen; Berater muss den seelischen Status einschätzen
- Entscheidungen: - Verhaltenstherapie(Ursache: derzeitige Erfahrungen und Probleme) oder Psychoanalyse (Ursache: Kindheitstraumata und unbewusste Blockaden )
- ambulante oder stationäre Behandlung

Selbsthilfe

- 1. Schritt ' Patient muss sich seiner Krankheit bewusst sein
- offenes Reden über Probleme zum Beispiel mit Mitarbeiter für eine Beratungsstelle
- Zurückgewinnung der Lebensfreude und der richtigen Wahrnehmung
- Betroffene müssen wieder lernen zu entspannen und das Essen zu genießen
- Essen nach Hunger
- Steigerung des Selbstbewusstseins
- Gewichtszunahme akzeptieren
- Beobachten und Erfassen des eigenen Essverhaltens


Selbsthilfegruppe:

- seelische Entlastung
- Hilfestellungen für den Alltag von Leuten mit dem gleichen Schicksal
- offenes Sprechen über die eigenen Probleme
- gemeinsames suchen nach Lösungen
- Aufbau von Beziehungen
- Überwindung der Heimlichkeit



Zahlen, Fakten, Informationen zu Essstörungen

Essstörungen allgemein

Mehr als jedes 5. Kind in Deutschland im Alter zwischen elf und 17 Jahren weist Symptome einer Essstörung auf - hochgerechnet rund 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche.
Unter den Elfjährigen ist jedes fünfte Kind - egal ob Mädchen oder Junge - auffällig im Essverhalten. Im Laufe der Pubertät ist nur noch jeder siebte Junge gefährdet. Umgekehrt weist jedes dritte Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren Symptome einer Essstörung auf.
Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen verläuft eine Essstörung bei rund 16,8 Prozent der Betroffenen tödlich.
Von Diäten angesprochen fühlen sich hingegen meist Frauen, die der Mittel- und Oberschicht angehören und die höchstens leicht über dem Normalgewicht liegen.

Magersucht

Im Jahr 2007 litten laut dem Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen fast vier Millionen Menschen unter gefährlichem Untergewicht (dazu zählen Senioren, Krebs-, Dialyse- und HIV-/Aids-Patienten sowie Magersüchtige).
Über 100.000 Menschen, insbesondere Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, seien an Magersucht, erkrankt gewesen. Die Zahl der magersüchtigen Männer lag 2007 bei fünf bis zehn Prozent - mit steigender Tendenz.
Magersucht wird häufig zwischen 12 und 23 Jahren entwickelt, wobei es die höchste Anzahl von Betroffenen zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr gibt.
Nur etwa die Hälfte der an Magersucht Erkrankten kann vollständig und dauerhaft geheilt werden. Bei 20% wird das leiden chronisch und 30% entwickeln andere Symptome wie Depressionen. Unter den Bulimikern können zwei Drittel der Erkrankten nicht geheilt werden.
Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) gab an, dass bis zu 15 % der Magersüchtigen an den Folgen der Erkrankung sterben. Laut der Studie der Universität Heidelberg stirbt jede sechste schwer erkrankte Magersüchtige an den Folgen dieser Krankheit.
Die Universität Ulm berichtete, dass mit einer Sterblichkeitsrate von 15 bis 20 Prozent die Anorexie mehr Opfer als jede andere psychiatrische oder psychosomatische Störung fordert.
Als häufigste Todesursachen erwiesen sich Infektionen, Unterernährung, Wasser- und Elektrolytverlust sowie Selbstmord.
Das brasilianische Fotomodel Ana Carolina Reston starb im Alter von 21 Jahren an den Folgen ihrer Magersucht. Sie wog zuletzt bei einer Körpergröße von 1,74 Metern 40 kg.
Zahlen, Fakten, Informationen zu Essstörungen - 2

Bulimie

600.000 Frauen und Männer leiden an der Fress-Brech-Sucht (Bulimia nervosa).
Die Universität Ulm beziffert die Häufigkeit in der weiblichen Bevölkerung zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr für Anorexie mit 0,5 - 1%, für Bulimie mit 3 - 4% und für Esssucht mit 6% und verzeichnet einen zunehmenden Anteil männlicher Betroffener. Die Neuerkrankungsrate von Frauen liegt zwischen 0,5 und 1%.
An Bulimie leiden meist Personen zwischen 20 und 30 Jahren. Von ihnen haben 60% Abitur, also einen hohen Bildungsgrad.

Adipositas

Frauen mit geringem beruflichen Status und geringem Einkommen sind besonders oft adipös - was zeigt, dass Übergewicht auch ein soziales Problem ist.
Eine repräsentative Untersuchung in der deutschen Bevölkerung zeigt, dass Vorurteile gegen übergewichtige und adipöse Menschen stark verbreitet sind: 85% der Befragten gaben an, Adipöse seien im Wesentlichen selbst für ihr starkes Übergewicht verantwortlich, da sie sich einfach zu wenig bewegen und zu viel essen.